Biomasse-Heizkraftwerk in Dortmund-Derne: Klimaschutzlösung oder Umweltrisiko?

In Dortmund-Derne soll auf dem ehemaligen Zechengelände Gneisenau ein Biomasse-Heizkraftwerk entstehen, das laut Plan sowohl Strom als auch Wärme in Kraft-Wärme-Kopplung für das Fernwärmenetz liefern soll. In unserer Stellungnahme zum Bebauungsplan bewerten wir das Projekt eher skeptisch.

Luftbild (Quelle: Geoportal NRW2024, Stadt DO (Begründung B-Plan Scha150))

Holzverbrennung ist nicht klimaneutral

Im Mittelpunkt der Stellungnahme steht die Frage, ob ein holzbefeuertes Biomasse-Heizkraftwerk tatsächlich eine klimafreundliche Lösung ist. Bei der Verbrennung von Holz werden große Mengen CO₂ freigesetzt. Diese Emissionen müssen nach unserer Ansicht in der Klimabilanz real berücksichtigt werden, statt sie pauschal – wenn auch gesetzlich erlaubt – als ‚klimaneutral‘ zu verbuchen.

Zahlreiche offene Fragen zu Technik und Emissionen

Wir kritisieren, dass Dimensionierung und Betriebskonzept der Anlage bislang nur unklar dargestellt sind, etwa bei Leistung, Wirkungsgrad, Brennstoffmengen und Laufzeiten über das ganze Jahr. Besonders kritisch sehen wir, dass die Feuerungswärmeleistung mit 19,9 MW knapp unter einer rechtlich relevanten Schwelle liegt, sodass das Kraftwerk vergleichsweise höhere Schadstoffemissionen ausstoßen dürfte, als es bei 20 MW der Fall wäre.

Knapp werdende Brennstoffe und lange Transportwege

Aus Klimaschutzsicht fordern wir strenge Vorgaben für die eingesetzten Brennstoffe: kein Waldholz, keine Energiepflanzen, kein Importholz, nur Rest- und Abfallholz, das nicht mehr stofflich genutzt werden kann. Besorgt sind wir zudem über die langen Transportdistanzen von bis zu 100 km. Sie sind eher ein Indiz für den zunehmenden Wettbewerb um begrenzte Biomassevorräte.

Alternative Wärmeoptionen

Eine geeignete, ökologischere Alternative oder Ergänzung könnte an dieser Stelle eine Power-to-Heat-Anlage mit Elektrokesseln und Wärmespeichern sein. Solche PtH-Anlagen sind im Prinzip riesige Tauchsieder und könnten mit Ökostrom nahezu emissionsfrei arbeiten, hohe Wirkungsgrade erreichen und ohne Brennstofftransporte oder Asche- und Schlackenentsorgung auskommen.

Weitere Forderungen

Die aktuell geplante Kostenbeteiligung der Fernwärmekundschaft und die angekündigten Preissteigerungen werden bislang nur unkonkret beschrieben. Wir sind der Ansicht, dass ein faires und transparentes Verfahren zur Umlage der Investitionskosten Vertrauen bei den Endkunden schaffen kann.

Für das benachbarte geplante Gewerbegebiet empfehlen wir eine Ausrichtung auf nachhaltige, innovative Betriebe sowie eine konsequent erneuerbare Energieversorgung mit Photovoltaik, E-Ladeinfrastruktur und möglichst emissionsfreier Wärme. Für die kleinen Wäldchen in der unmittelbaren Nachbarschaft des Geländes fordern wir einen besseren Schutz für Brutvögeln und Fledermäusen und ökologischer Vernetzung mit Gehölzstreifen. Die Vermeidungs- und Ausgleichsmaßnahmen sollen verbindlich durch eine ökologische Baubegleitung garantiert werden.

Die ausführliche Stellungnahme ist hier.

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