Bei der letzten Fahrraddemo der Fridays for Future am 28. August demonstrieren etwa 200 Radfahrer/innen für eine gesunde und lebenswerte Stadt Dortmund für alle Bewohner/innen. Immer noch nehmen Straßen für Autos und Parkplätze den größten Raum ein und prägen so das Stadtbild. Nachfolgend ein Redebeitrag von Timm Treskatis von der Initiative für Nachhaltigkeit e.V.
Zum gleichen Thema wird es am 20. September eine Kidical Mass geben. Mehr Infos.

Redebeitrag von Timm Treskatis von der Initiative für Nachhaltigkeit e.V.
Der kolumbianisch-kanadische Stadtplaner Guillermo Peñalosa hat einen
einfachen Maßstab formuliert: „Wenn eine Stadt für 8-Jährige und 80-Jährige
funktioniert, funktioniert sie für alle.“
Dortmund funktioniert nicht für alle. Für 8-Jährige nicht, weil 8-Jährige kein
Auto fahren, weil Dortmund zwar von einem Netz aus mehrspurigen Bundesstraßen
durchzogen ist aber für Kinder kein Wegenetz anbietet, auf dem sie
selbstständig zur Schule, zum Sport und wieder nach Hause fahren könnten.
Dortmund funktioniert auch für 80-Jährige nicht, weil auf vielen Gehwegen vor
lauter geparkten Autos gar nicht genug Platz ist, um zu zweit nebeneinander
oder mit Rollator zu gehen und weil das Überqueren der breiten Fahrbahn wie
hier am Wall häufig eine Mischung aus Sprint und Mutprobe darstellt.
Eine Straße ist nicht dann gut gestaltet, wenn möglichst viele Autos möglichst
schnell durchkommen. Eine Straße ist gut gestaltet, wenn alle Menschen sicher
und komfortabel ankommen.
Kinder, Jugendliche und ältere Menschen brauchen Straßenräume, wo
Geschwindigkeiten überschaubar sind, wo gute Sichtbeziehungen bestehen und wo
Wege intuitiv verlaufen. Bei unserer nächsten Kidical Mass am Weltkindertag,
am Sonntag, den 20. September fahren wir deshalb zum ersten Mal in Dortmund
gemeinsam mit einer Senior Mass und fordern zusammen eine Stadt, in der der
öffentliche Raum wirklich für alle da ist.
Das bedeutet erstens: Wir brauchen ein durchgängiges, sicheres und
komfortables Netz für Fuß- und Radverkehr. Keine abrupt endenden Radwege.
Keine Gehwege, die als Parkplatz oder Abstellfläche missbraucht werden. Und
wir brauchen Behörden, die zum Schutz von Jungen und Alten diese Wege
konsequent frei halten.
Zweitens: Kreuzungen müssen endlich aus der Perspektive von denjenigen geplant
werden, die am verletzlichsten sind. Gute Sichtbeziehungen, kurze Wege über
die Fahrbahn, ausreichend lange Grünphasen und sichere Mittelinseln mit genug
Platz, dass einem nicht der Hintern abgefahren wird, sind kein „Nice to Have“.
Sie sind die Grundlage für gerecht gestalteten Straßenraum, in dem sich alle
selbstständig bewegen können. Auf dem Weg zur Schule sollte kein Kind in
Dortmund darauf angewiesen sein, von einem Elterntaxi vor der Tür abgesetzt zu
werden.
Drittens: Öffentlicher Raum darf nicht bloß Restfläche zwischen Parkplätzen
und Fahrspuren sein. Denn Dortmund ist keine Autobahnraststätte. Dortmund ist
unser Zuhause. Und ein Zuhause braucht Platz zum Leben, Platz zum Begegnen,
Platz zum Spielen. Wir wollen ein Zuhause mit sauberer Luft, ein Zuhause ohne
Lärm, ein Zuhause mit gesunden Bäumen, mit Bänken, mit Schatten, mit
Trinkwasserquellen, mit Straßenräumen, in denen sich alle gerne aufhalten und
bewegen.
Ein Dortmund, das für 8-Jährige, für 80-Jährige und für alle Generationen
dazwischen funktioniert, ist keine Utopie, sondern ganz einfach eine Frage von
politischem Willen. Und deshalb appellieren wir an den Rat, die
Bezirksvertretungen und die Verwaltung: Denkt an den 8-jährigen Jungen in der
Nordstadt. Denkt an die 80-jährige Seniorin in Hörde. Und entscheidet euch für
eine Stadt, die für alle funktioniert.