Teddys demonstrieren für Pop-up-Radfahrstreifen

Foto: Tobias Hermes­meyer

Der Verkehrs­aus­schuss hat im Mai die sofor­tige Einrich­tung von Pop-up-Radfahr­streifen abge­lehnt. Zuvor hatte ein Bündnis aus 12 Orga­ni­sa­tionen in einem Offenen Brief vorge­schlagen, probe­weise einige solcher Streifen an beson­ders güns­tigen Stellen anzu­legen. Mit der Ableh­nung ist klar: Dort­mund bekommt vorerst keinen einzigen Pop-up-Streifen.

„Wir sind enttäuscht von der Entschei­dung“, sagt Mara Kammer­meier von Aufbruch Fahrrad Dort­mund, denn andere Städte seien da schon weiter. So habe Stutt­gart bereits den ersten Streifen ange­legt, Nürn­berg werde folgen und München werde schon am Montag damit beginnen, gleich fünf solcher Streifen zu instal­lieren. „5:0 für die Bayern – das ist natür­lich bitter für alle Dortmunder*innen“, sagt Kammer­meier.

„Wir machen den Ehren­treffer für Dort­mund“, sagt Adrian Pietsch von Aufbruch Fahrrad. Am Montag werde Weiter­lesen

Neue Zahlen zum Mobilitätsverhalten in Dortmund

Dort­mund gehört zu den zehn auto­freund­lichsten Städten auf diesem Planeten. Grund dafür sind unter anderem die nied­rigen Park­ge­bühren: Während die Preise für Bus und Bahn seit 2005 um 57% gestiegen sind, sind die Park­ge­bühren gar nicht ange­hoben worden. Weitere Anreize zur Auto­nut­zung entstehen durch die Auswei­tung der kosten­losen Park­mög­lich­keiten im öffent­li­chen Raum: Auf immer mehr Gehwegen wird Gehweg­parken ange­ordnet, selbst wenn das mutmaß­lich rechts­widrig ist, weil die verblei­bende Gehweg­breite nur 1,50 Meter beträgt. Und wenn das immer noch nicht reicht, wird eben illegal geparkt. Das Risiko, einen Straf­zettel zu bekommen, ist schließ­lich sehr gering, solange in Dort­mund über 100 Stellen für die Über­wa­chung des ruhenden Verkehrs fehlen.

Nun tragen die Bemü­hungen der Stadt zur Förde­rung des Auto­ver­kehrs Früchte: Bei der jüngsten Haus­halts­be­fra­gung zum Mobi­li­täts­ver­halten ist der Anteil der Wege, die mit dem Auto zurück­ge­legt wurden, von 46 % im Jahr 2013 auf 49 % gestiegen. Der Anteil des Umwelt­ver­bunds sank entspre­chend von 54 % auf 51 %. Inner­halb des Umwelt­ver­bunds stieg der Anteil des ÖPNV an allen Wegen von 20 % auf 22 % und der Anteil des Fußver­kehrs stürzte von 27 % auf 19 % ab. Offenbar schätzen zu Fuß Gehende die Umwand­lung ihrer Wege in Park­plätze nicht. Der Anteil des Radver­kehrs an allen Wegen stieg von 6 % auf 10 %, aber wer zu denen gehörte, die im Früh­jahr 2019 nach dem Zufalls­prinzip für die Teil­nahme an der Haus­halts­be­fra­gung ausge­wählt wurden, erin­nert sich an den Grund: Das Wetter war während des Erhe­bungs­zeit­raums extrem fahr­rad­freund­lich – was man von Dort­mund leider auch nach 15 Jahren schöner Worte über Radver­kehrs­för­de­rung nicht behaupten kann.

Der länger­fris­tige Vergleich mit dem Jahr 2005 ist aufschluss­reich: Das Mobi­li­täts­ver­halten ist in den vergan­genen 15 Jahren weitest­ge­hend stabil geblieben. Der Anteil des Umwelt­ver­bunds stieg um einen kümmer­li­chen Prozent­punkt von 50 % auf 51%, entspre­chend fiel der Anteil des Auto­ver­kehrs von 50 % auf 49 %. Der Anteil des Radver­kehrs blieb stabil und einem leichten Anstieg des ÖPNV steht ein leichter Rück­gang beim Fußver­kehr gegen­über.

Nach 15 verlo­renen Jahren muss man also fest­stellen: Die Mobi­li­täts­wende ist in Dort­mund ausge­fallen.