Dortmunder Umweltverbände äußern sich kritisch zum geplanten Biomasseheizkraftwerk Derne/Kirchderne

Die Fernwärme Niederrhein GmbH plant in Dortmund-Kirchderne den Bau eines Biomasse-Heizkraftwerks, das das Scharnhorster Wärmenetz mit Wärme versorgen soll. Zum Bebauungsplan verfassten die Dortmunder Umweltverbände NABU, BUND und LNU (Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt NRW) sowie das Klimabündnis Dortmund eine Stellungnahme.

Kern der Kritik ist die Verbrennung von Holz als kostbarem Rohstoff angesichts ökologischerer Alternativen sowie die steigende Belastung durch Feinstaubemissionen. Die Verbände fordern, dass in einem Durchführungsvertrag zwischen Betreiber und Stadt Dortmund verbindlich geregelt wird, dass kein Waldholz, Altholz, Anbaubiomasse und Importholz verwendet werden darf und die Rauchgasreinigung unabhängig von der Größe der Anlage nach den strengeren Grenzwerten für Großanlagen erfolgen soll.

Hier soll das neue Heizkraftwerk hin (c) HGSchwinn

Hier soll das Heizkraftwerk hin. Bild: HGSchwinn

Die Hauptkritikpunkte im Überblick

  • Alternativen nicht ausreichend geprüft: Die Verbände verlangen eine erneute technologieoffene Prüfung von Großwärmepumpen, Geothermie, Abwärmenutzung (z.B. vom Walzwerk Westfalenhütte) sowie Power-to-Heat-Anlagen mit Elektrokesseln.
  • Treibhausgasbilanz umstritten: Während die Planungsunterlagen eine CO₂-Einsparung von über 14.000 Tonnen gegenüber Erdgas ausweisen, schätzen die Verbände die tatsächlichen jährlichen Emissionen auf rund 51.600 Tonnen CO₂ bei 7.500 Betriebsstunden.
  • Brennstofffrage ungeklärt: Die Verbände bestehen darauf, dass ausschließlich Restbiomasse verwendet werden darf – kein Waldholz, Altholz, Anbaubiomasse oder Importholz. Die Beschaffung solle jährlich von unabhängigen Umweltgutachtern geprüft und im Durchführungsvertrag verbindlich geregelt werden.
  • Transportwege und Konkurrenz um Rohstoffe: Die angekündigte maximale Transportentfernung von 100 km wird aus Ökobilanzsicht hinterfragt. Im Umkreis von 100 km um die geplante Anlage gibt es bereits jetzt über 20 Anlagen, die Holz als Verbrennungsrohstoff nutzen – eine Konkurrenzsituation um die begehrten Rohstoffe ist bereits absehbar. Studien prognostizieren zudem eine zunehmende Verknappung verfügbarer Biomasse mit steigenden Preisen.
  • Emissionsgrenzwerte im Visier: Die geplante Feuerungswärmeleistung von 19,9 MW liegt knapp unter der 20-MW-Grenze, bei der schärfere Feinstaubgrenzwerte gelten. Die Verbände betrachten dies als Verfahrenstrick, um sich vor einer intensiveren Rauchgasreinigung zu drücken.
  • Natur- und Artenschutz: Trotz Erhalt großer Waldteile warnen die Verbände vor Eingriffen in Lebensräume von Brutvögeln und Fledermäusen. Sie empfehlen die Anlage von Strauchgruppen, Baumreihen und Hecken als Flugkorridore.
  • Wirtschaftlichkeit und Kundenbelastung: Die Ankündigung des Betreibers, Fernwärmekunden an Investitionskosten zu beteiligen und Preise zu erhöhen, hat für erhebliche Verunsicherung gesorgt. Die Verbände fordern ein faires Umlageverfahren im Durchführungsvertrag sowie Maßnahmen zur Vermeidung übermäßiger Preissteigerungen.

Der Bebauungsplan wird im Rat der Stadt Dortmund beschlossen. Vor einer Entscheidung sollten die Betreiber den politischen Vertreter:innen noch einmal detailliert erläutern, warum die Biomasseverbrennung die einzige Alternative sein soll. Dazu gehören auch nachvollziehbare Kostenschätzungen zu Investitionen, Betriebskosten, Netzanbindung und Sanierung des Fernwärmenetzes.

Die Dortmunder Umweltorganisationen treten grundsätzlich dafür ein, alle künftigen Bauprojekte der Stadt Dortmund so nachhaltig und klimaneutral wie möglich zu gestalten. Die aktuelle Planung des Biomasseheizkraftwerks Derne erfüllt diese Anforderungen aus unserer Sicht in keinster Weise.

Links zu den Stellungnahmen:

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