Protestspaziergang gegen die OWIIIa / L 663n in Wickede — “Notfalls klagen wir vor Gericht“

Trotz widriger Wetter­lage waren am 15.8.2020 über 160 Teilnehmer*innen der Einla­dung der Bürger­initia­tive „Schützt unseren Frei­raum“ zu einem Protest­spa­zier­gang rund um die Trasse der geplanten Verlän­ge­rung der Brackeler Straße (OWIIIa / L663n) nach Wickede gefolgt. Die BI begrüßte neben Vertre­tern der Natur- und Umwelt­schutz­ver­bände und Parteien auch etliche von der Planung betrof­fene Anwohner. Anlass für den Spazier­gang war die neu aufge­flammte Diskus­sion um die Weiter­füh­rung der Brackeler Straße, die eine Rats­mehr­heit von SPD, CDU und FDP forciert.

Auch das Klima­bündnis Dort­mund war mit einer starken Abord­nung vertreten. Die zum Teil vier­spu­rige Straße würde nicht nur wert­vollen Land­schafts- und Erho­lungs­raum zerstören, sondern erheb­li­chen Mehr­ver­kehr — insbe­son­dere Schwer­last­ver­kehr — in die Nord­stadt ziehen, die man ja durch diverse Maßnahmen wie eine Umwelt­spur gerade redu­zieren möchte. Thomas Quittek (BUND) kündigte weiteren Wider­stand an. Notfalls würde der BUND auch klagen. Zu diesem Zweck hat er jetzt einen Klage­fonds einge­richtet.

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Klimaschutz vor Straßenausbau! PM zum Ausbau der OW III a

Schnell­straße bei Nacht — Quelle: www.pexels.com

Das Klima­bündnis Dort­mund unter­stützt den Protest von Natur- und Umwelt­schutz­ver­bänden, Bürger­initia­tiven sowie den GRÜNEN und LINKEN gegen die beab­sich­tigte Fort­set­zung der Planung der Landes­straße L 663n (OW III a) durch Land NRW und Stadt Dort­mund.

Die Stadt hat bisher große Mühe, die Anfor­de­rungen des Klima­schutzes gemäß der selbst gesteckten Ziele in den Master­plänen Mobi­lität und Klima für 2030 und 2050 zu errei­chen. Zugleich sind die Folgen des Klima­wan­dels immer spür­barer. Ange­sichts dieser Tatsa­chen ist es skan­dalös, die vor 30 Jahren begon­nene und zwischen­zeit­lich ruhende Planung einer Schnell­straße fort­zu­setzen, die in ekla­tantem Wider­spruch zum Natur- und Klima­schutz steht. Die Ziele der drin­gend notwen­digen Verkehrs­wende werden damit genauso verletzt wie der Erhalt wert­voller Frei- und arten­rei­cher Grün­flä­chen und Feucht­ge­biete, die am Rande des Natur­schutz­ge­bietes Wickeder Ostholz liegen. Die Fort­set­zung einer solchen klima­feind­li­chen Planung wäre ein fatales Signal und für den Klima­schutz der Stadt ein Rück­schritt.

Das Klima­bündnis fordert die Verant­wort­li­chen der Stadt auf, den Ausbau der Schnell­straße endgültig ad acta zu legen und zugleich ÖPNV und Fahr­rad­ver­kehr in West-Ost-Rich­tung der Stadt deut­lich zu verbes­sern. Klima­schutz vor Stra­ßen­ausbau. Klima­schutz endlich konse­quent betreiben!

Naturschutzverbände warnen vor Weiterbau der OWIIIa / L663n von Asseln nach Unna

Ökologisch und ökonomisch fatal und anachronistisch

Die Dort­munder Natur­schutz­ver­bände BUND, NABU und LNU kriti­sieren scharf die beab­sich­tigte Über­nahme der Planungs­kosten für die L 663n durch die Stadt Dort­mund.

Sie wenden sich weiterhin entschieden gegen den Weiterbau der Landes­straße L 663n (OW IIIa) nörd­lich der Orts­teile Asseln und Wickede, da hier­durch der größte zusam­men­hän­gende Frei­raum im Dort­munder Osten mit dem geringsten Verkehrs­lärm in ganz Dort­mund zerschnitten würde. 
An der Stadt­grenze würde die Trasse ein Feucht­ge­biet am Rande des Natur­schutz­ge­biet Wickeder Ostholz zerstören, das mit dem neuen Land­schafts­plan um den Plecken­brinksee erwei­tert wird. Ebenso würde die Trasse das neue Natur­schutz­ge­biet „Wickeder Holz“ tangieren und einen wich­tigen Naherho­lungs­raum für die Bewohner des Wohn­ge­bietes Hohen­buschei und der Orts­teile Asseln und Wickede zerschneiden.

Auch verkehr­lich ist der Nutzen dieser Straße äußerst frag­lich. Der Neubau hätte kaum Entlas­tungen auf dem Hellweg zur Folge, auf dem der Verkehr eher rück­läufig ist. Auf der neuen vier­spu­rigen Straße sind bis zu 23.000 Fahr­zeuge pro Tag prognos­tiert. Auf dem Hellweg würden über 12.000 Fahr­zeuge (bei jetzt 15.000 Fahr­zeugen) verbleiben. Uner­wünschter Neben­ef­fekt: Die Straße würde zusätz­li­chen Verkehr auf den Borsig­platz lenken, wo erst kürz­lich eine Umwelt­spur einge­richtet wurde. Ein fatales Signal in Zeiten der Klima­krise.

Die Planung feiert im Übrigen ein trau­riges Jubi­läum. Vor 100 Jahren hatte der Sied­lungs­ver­band Ruhr­koh­len­be­zirk (heute Regio­nal­ver­band Ruhr­ge­biet) die ersten Über­le­gungen für ein gitter­ar­tiges Netz von Schnell­straßen im Ruhr­ge­biet. Die meisten Straßen davon sind gebaut. Die OWIIa ist ein letztes Relikt aus der Zeit der Indus­tria­li­sie­rung und passt nicht mehr in die heutige Zeit.

Die Natur­schutz­ver­bände fordern, die Planung endlich aufzu­geben und das Geld für den Klima­schutz und die Förde­rung des Radver­kehrs und des ÖPNV einzu­setzen.

  • Thomas Quittek (Bund für Umwelt und Natur­schutz Deutsch­land – Kreis­gruppe Dort­mund)
  • Dr. Kristof Hennies (Natur­schutz­bund Deutsch­land – Stadt­ver­band Dort­mund)
  • Dr. Hans-Dieter Otter­bein (Arbeits­ge­mein­schaft Amphi­bien- und Repti­li­en­schutz, Landes­ge­mein­schaft Natur­schutz und Umwelt)

Für Rück­fragen: Thomas Quittek (Tel. 0175–7738132)

Quelle: Pres­se­mit­tei­lung, Dort­mund, 15.5.2019

VCD-Thesenpapier zu Corona und Verkehr

Corona-Krise macht deutlich: Verkehrswende dringender denn je VCD — ÖPNV stützen, mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger

Die Corona-Krise hat aktuell die Mobi­lität verän­dert, der wochen­lange Lock­down die Straßen geleert, vor allem aber Busse und Bahnen. Viele Menschen arbeiten im Home­of­fice, nicht wenige, die weiter zur Arbeit fahren, sind auf das Rad umge­stiegen. Aus Sicht des VCD Dort­mund-Unna wird das Folgen auch für die Zeit nach Corona haben. Damit sich die Mobi­lität nicht in eine falsche, uner­wünschte Rich­tung entwi­ckelt, müssen Stadt und DSW21 jetzt noch viel stärker als geplant in die Verkehrs­wende inves­tieren, fordert der Verband jetzt in einem Thesen­pa­pier „Mobi­lität nach Corona – notwen­dige Maßnahmen für Dort­mund“. Nötig ist aus Sicht des VCD auf der einen Seite mehr Platz für Radfahrer*innen und Fußgänger*innen, auf der anderen Seite mehr Platz in Bussen und Bahnen – und damit mehr Geld für den ÖPNV.

Der ÖPNV ist der Verlierer der Corona-Krise. Die Fahr­gast­zahlen sind einge­bro­chen. Ohne Busse und Bahnen aber ist eine Verkehrs­wende gerade in Metro­pol­re­gionen wie dem Ruhr­ge­biet nicht machbar; sie sind das Rück­grat der umwelt­freund­li­chen Mobi­lität. Und eine Verkehrs­wende ist notwendig: für den Klima­schutz und um die Stadt lebens­wert für Bewohner*innen und Besucher*innen zu gestalten. Um das Vertrauen der Menschen in das System ÖPNV zurück­zu­ge­winnen, ist es notwendig, mehr Platz in Bussen und Bahnen zu schaffen, wo immer es möglich ist. Einmal durch einen engeren Takt, zum anderen durch längere Stadt­bahnen. DSW21 muss also mehr Fahr­zeuge als geplant anschaffen. Natür­lich ist dafür Geld erfor­der­lich. Die Politik in der Stadt sollte sich auf allen Ebenen dafür einsetzen, dass Bund und Länder den ÖPNV jetzt nicht ins Berg­freie fallen lassen.

Viele Menschen sind während der Krise auf das Fahrrad umge­stiegen. Anders als in anderen Städten überall auf der Welt – Bogota, Berlin, Buda­pest – wurde in Dort­mund aber nicht mehr Platz für Radfahrer*innen geschaffen, die soge­nannten Pop-up Bikelanes (provi­so­ri­sche Radwege auf bishe­rigen Auto­spuren) hat die Stadt nicht einrichten wollen. Tatsache aber ist, dass in Dort­mund schon ohne Pandemie viel zu wenig Platz für Radfahrer*innen und zu Fuß Gehende da ist. Zum einen muss die Stadt ihrer Ankün­di­gung, Fahr­rad­stadt zu werden, jetzt Taten folgen lassen, zum anderen auch für Fußgänger*innen mehr Platz schaffen. Das geht nur zulasten des Auto­ver­kehrs. Etwa, indem Falsch­parken nicht mehr geduldet wird.

Notwendig ist darüber hinaus auch insge­samt eine Entschleu­ni­gung des Verkehrs und ein Zurück­drängen des Auto­ver­kehrs. Tempo 30 stadt­weit und Tempo 20 in sensi­blen Berei­chen wie der City oder in Einkaufs­straßen wäre eine notwen­dige Maßnahme, die auto­freie Innen­stadt (mit Zufahrt nur für Anwohner und zu Tief­ga­ra­gen­plätzen) eine andere.

Die Stadt hat zuletzt einige noch zaghafte Schritte in Rich­tung Verkehrs­wende getan, Stich­worte Fahr­rad­stadt, Mikro­depot, Tempo 30 auf der Ruhr­allee. Diesen Weg muss die Stadt jetzt entschlossen weiter­gehen.

VCD-Thesen­pa­pier zu Corona

Quelle: Pres­se­mit­tei­lung des VCD Dort­mund-Unna